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Hier finden Sie die aktuellen Presseinformationen der Deutschen Gesellschaft e. V.

 

2020

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2020

Pressemitteilung 19.11.2020

 

„Redet nicht über uns, sondern mit uns“

Potsdamer Regionalforum zum Antisemitismus in Deutschland

Akteurinnen und Akteure aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft informierten und diskutierten im Potsdamer Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ am 19.11.2020 über die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Berlin und Brandenburg. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V. gemeinsam mit dem Waschhaus Potsdam, eines der größten soziokulturellen Zentren im Land Brandenburg. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung ohne Publikum statt und konnte im Livestream mitverfolgt werden. Die Aufzeichnung ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Gesellschaft e. V. abrufbar. Katharina Schmidt-Hirschfelder, Journalistin bei der Jüdischen Allgemeinen, moderierte das Forum. Anne-Suse Gürtler und Angelina Sequeira Gerardo trugen mit ihrem Gebärdensprachdolmetschen zu einem barrierefreien Angebot bei.

Das letzte Regionalforum in diesem Jahr thematisierte die Erscheinungsformen des Antisemitismus in Deutschland und richtete zugleich den Blick auf eine neue und selbstbewusste Generation junger Jüdinnen und Jüdinnen, die sich aktiv in den Dialog einbringen.

In der ersten Gesprächsrunde konnte die Frage nach einer „Renaissance“ jüdischen Lebens nicht ohne weiteres bejaht werden. Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Gründungsdirektor des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam, der selbst einer traditionsreichen deutsch-jüdischen Familie entstammt, konstatierte: Die Welt des deutschen Judentums von vor 1933 sei zwar unwiederbringlich vergangen, aber inzwischen sei ein neues und dynamisches Judentum entstanden, besonders durch den Zuzug aus der ehemaligen Sowjetunion und in jüngster Zeit auch aus Israel. Sigalit Feig, Sängerin an der Komischen Oper Berlin, und Sharon Kotkovsky, Schauspielerin und Regisseurin in Potsdam, sind solche Stimmen und Gesichter der neuen kulturellen Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland. Sie berichteten von ihrem Alltag zwischen Neugier und Diskriminierung, von der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Shoah, den vielen Wurzeln, die ihre Identität ausmachten, vom Gefühl der Verwurzelung und von der Bereicherung, die sie für das jüdische Leben in Deutschland und für den gesellschaftlichen Dialog sein können und sein möchten. Sigalit Feig präsentierte mit den Liedern „Layla Layla“ und „Bei Mir Bistu Shein“ eine Kostprobe des Schaffens, am Klavier begleitet von Tobias Tinker.

In der zweiten Runde kamen die jüngsten Podiumsgäste miteinander ins Gespräch. Ein großes Ausrufezeichen wollten sie hinter die Aussage „Zuhause in Deutschland“ setzen, auf keinen Fall ein Fragezeichen. Nachumi Rosenblatt, Leiter des Kinder-, Jugend und Familienreferats der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V., erlebt in seiner Arbeit, wie wichtig die Aufgabe ist, jungen Jüdinnen und Juden mit ihren eigenen Traditionen und ihrer Geschichte bekannt zu machen, manchmal prägend für das ganze Leben.

Tirzah Maor und Marat Schlafstein berichteten von ihrem Engagement bei „Meet a Jew“, ein Projekt des Zentralrats der Juden in Deutschland. Es bringt ehrenamtlich tätige junge Jüdinnen und Juden mit nichtjüdischen Menschen zusammen, für die es oft die erste Begegnung dieser Art ist. Maor und Schlafstein sind sich sicher, dass gerade dieses Projekt dazu beitragen kann, dass Antisemitismus gar nicht erst entsteht.

Monty Ott, Vorsitzender von Keshet Deutschland e. V., wies auf die große Bandbreite der vielen kleinen Gruppen und Initiativen innerhalb der jüdischen Community hin, die erst noch sichtbar gemacht werden müsse.

In der letzten Runde stand die Frage im Vordergrund, wie jüdisches Leben gestärkt und Antisemitismus bekämpft werden könne. Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, stellte klar, dass die Politik zwar die Leitlinien vorgeben könne, eine couragierte Zivilgesellschaft ihr aber zur Seite stehen müsse.

Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment/ Beratungsstelle OFEK e. V. ergänzte, dass Antisemitismus oft noch institutionell und versteckt sei Es müsse gelingen, das Thema Antisemitismus in die Ausbildung pädagogischen Personals zu integrieren. Für Betroffene seien Strukturen und Anlaufstellen besonders wichtig, sagte Peter Schüler, Leiter der Fachstelle Antisemitismus am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam. Diana Sandler, Beauftragte gegen Antisemitismus und für den Dialog mit den Religionsgemeinschaften des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Land Brandenburg, stellte die aktive Rolle der Jüdischen Gemeinden in Brandenburg in den Vordergrund, ihr Erfolgsrezept: „Wir machen die Tür auf!“.

Dass jüdisches Leben in Deutschland bunt und vielfältig ist, wurde an diesem Tag durch jeden Beitrag deutlich gemacht. „Redet nicht über uns, sondern mit uns“, das ist die Empfehlung, die die Gäste des Regionalforums allen mitgeben wollten.

Sämtliche Informationen zum Regionalforum finden Sie unter www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

 

Pressemitteilung 15.10.2020

 

Zukünftig mehr Kontakt und Austausch

Begegnung im Mehrgenerationenhaus Eschershausen

Vor Kurzem fand die erste Begegnungsveranstaltung im Rahmen des Projekts „Mein, dein, unser Deutschland“ statt. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V. ins Mehrgenerationenhaus Eschershausen, ehrenamtliche Helferinnen hatten zu diesem Anlass ein üppiges georgisch-tschetschenisches Buffet gezaubert. Anliegen des gemeinnützigen Vereins ist es, ältere Bürgerinnen und Bürger mit Geflüchteten in Kontakt zu bringen. Zina Ulubaeva und Reda Alreda vom Zentrum für Migration in Eschershausen hatten sich bereit erklärt, über ihre Fluchtgeschichten zu sprechen.

1995 schon kam Frau Ulubaeva aus Tschetschenien nach Deutschland, nachdem sie mit ihrer Familie nur knapp einem Brandanschlag auf ihre Wohnung entgangen war. In Deutschland hat die Familie Asyl aus humanitären Gründen gefunden. „Mittlerweile kann ich über meine Flucht sprechen, sie gehört zu meinem Leben“, sagt die Mutter von drei Kindern. In Holzminden, wo sie heute zu Hause ist, fühlt sie sich sehr wohl: „Ich möchte nicht woanders leben“. Herr Alreda kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Nach dem Studium ging er zunächst in den Libanon, um dem Militärdienst zu entkommen, über die Türkei weiter per Boot nach Lesbos und später von Athen über die Balkanroute zu Fuß nach Deutschland. „Als ich in München ankam, wusste ich, ich bin endlich frei“, sagt er. Über das Fußballspielen habe er sich integriert, das ging eigentlich ganz schnell, so Herr Alreda. Er findet es bereichernd, das Gute aus zwei Kulturen kombinieren zu können: „Ich bin inzwischen mit einer Deutschen verheiratet. Natürlich trinke ich mit meinem Schwiegervater mal ein Bier, aber genauso faste ich auch im Ramadan.“

Zwar war der Teilnehmerkreis bedingt durch die Infektionsschutzregeln wegen der Corona-Pandemie eher klein, aber vielleicht entstand gerade deshalb eine so herzliche Gesprächsatmosphäre. Gabriele Uerckwitz, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, war darüber ganz erstaunt: „Normalerweise sitzen hier alle in Grüppchen zusammen, die sich sowieso schon kennen und es ist ziemlich laut. Ich fand es richtig gut, dass es heute so ruhig war und dass sich alle zugehört haben.“ Die Teilnehmenden aus der Umgebung hatten gleich ganz konkrete Ideen, wie das Mehrgenerationenhaus sich für Geflüchtete einbringen könne: „2015 hatten wir viele Veranstaltungen für die Geflüchteten im Ort, besonders für die Kinder. Ich wusste gar nicht, dass immer noch 90 Geflüchtete hier leben. Besonders wenn man sieht, wie schwer es den Frauen fällt, Zeit für das Deutschlernen zu finden, dann müsste man doch was machen. Wir haben hier zwei Handarbeitskreise, auch persönliche Patenschaften wären toll. Man kann sich hier treffen und muss ja nicht Aufgaben aus einem Buch machen.“ Frau Uerckwitz gab den beiden Mitarbeitenden des Zentrums für Migration auch gleich noch den Veranstaltungsplan für die nächste Zeit mit: „Den haben Sie gar nicht? Das ist ja seltsam.“ In Zukunft wird der Austausch nicht mehr in Vergessenheit geraten.

Die Deutsche Gesellschaft e. V., die ihr Jubiläum Anfang des Jahres bei einer Festveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier feierte, ist seit 1990 in der politischen Bildungsarbeit tätig. Mit seinen Projekten setzt sich der Verein für ein respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben in einem friedlichen Gemeinwesen ein.

Mehr Informationen zum Integrationsprojekt „Mein, dein, unser Deutschland“ gibt es auf der Website www.mein-dein-unser-deutschland.de. Gefördert wird das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

 

Pressemitteilung 15.10.2020

 

Antisemitismus beginnt in der Alltagssprache

Erfurter Regionalforum zum Antisemitismus in Deutschland

Das Regionalforum Erfurt richtete den Fokus sowohl auf Antisemitismus als auch auf die Vielfalt jüdischen Lebens, die oftmals hinter der Berichterstattung über antisemitische Vorfälle verschwindet. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V. gemeinsam mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, in deren Kultur- und Bildungszentrum die Veranstaltung stattfand.

Widmet sich das gerade begonnene Jubiläumsjahr „Neun Jahrhunderten jüdisches Leben in Thüringen“ zwar einem Jahrhunderte alten kulturellen Reichtum, so gab Prof. Dr. Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, doch zu bedenken, dass die Vielfalt, wie sie vor 1933 bestanden hat, sich bislang nicht wieder entfaltet habe. Gerade deshalb seien für Jüdinnen und Juden die familiären Traditionen so wichtig. Eine solche Tradition setzt auch Alexander Nachama als Ladesrabbiner fort, der wie der Pianist und Musikwissenschaftler Prof. Dr. Jascha Nemtsov vor allem die Bedeutung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs hervorhob. Allerdings verwiesen die Podiumsreferenten zu bedenken, dass oftmals vielversprechend begonnene Dialoge beim Thema Israel in bekannte antisemitische Klischees zurückfallen.

Die Diskrepanz im gesellschaftlichen Dialog kam auch in der Podiumsrunde von Laura Cazés, Referentin für Verbandsentwicklung der ZWST, der Autorin Lena Gorelik und der Regisseurin Sharon Ryba-Kahn zur Sprache. Wo endet ehrliches Interesse und wann beginnt vorurteilsbeladene Fremdzuschreibung gegenüber Jüdinnen und Juden, war eine der zentralen Fragen. „Antisemitismus und Diskriminierung im Allgemeinen beginnt in der Sprache. Sie beginnt in der Alltagssprache. Sie beginnt nicht an einem Gewaltakt, sondern an der Stelle, an der Menschen schon sprachlich das Gefühl haben, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden“, so Laura Cazés.

Welche Bedeutung Sprache hierbei spielt, reflektierten Dr. Marco Helbig, Leiter des Projektes „Rap Against Hate!“, Stephan J. Kramer, Präsident des Amtes für Verfassungsschutz Thüringen und Marina Chernivsky vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment. Marco Helbig gab im Rahmen einer Werkschau einen Einblick in seine Projektarbeit mit Jugendlichen, die sich über Musik und Text mit Antisemitismus auseinandersetzen. Die Bedeutung der praxisnahen Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Gegenstrategien, hob Marina Chernivsky in der Schilderung ihrer Arbeit mit Polizistinnen und Polizisten oder Lehrkräften hervor. Die Hoffnung richtet sich darauf, die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft zu sensibilisieren, damit Jüdinnen und Juden, ihre Identität nicht mehr verstecken müssen. Solange jedoch Menschen ihre Halsketten mit Davidstern nicht sorglos offen tragen können, sei dies ein gefährlicher Weg, der auch den Gesamtzustand der Gesellschaft widerspiegele, so Stephan J. Kramer.

Das nächste Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ findet am 19. November 2020 in Potsdam statt. Sämtliche Informationen dazu finden Sie unter www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Das Regionalforum Erfurt wurde in Kooperation realisiert mit der Jüdischen Allgemeinen, der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, dem Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST e. V.), dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.

 

Pressemitteilung 08.07.2020

 

Orientieren, entdecken, begegnen

Bundesweites Integrationsprojekt für Geflüchtete gestartet

Orientieren, entdecken, begegnen – auf diese Schwerpunkte konzentriert sich das neue bundesweite Integrationsprojekt „Mein, dein, unser Deutschland“ der Deutschen Gesellschaft e. V. Der gemeinnützige Verein unterstützt mit diesem Projekt ab sofort Geflüchtete mit kostenfreien Bildungsangeboten.

„Wir bieten Workshops über die Bundesrepublik Deutschland und Workshops über die deutsche Zeitgeschichte mit Exkursionen zu historischen Orten“, erklärt die Projektleiterin Madeleine Petschke von der Deutschen Gesellschaft e. V. „Zudem möchten wir in örtlichen Begegnungsstätten Gesprächsrunden zwischen Geflüchteten und älteren Bürgerinnen und Bürgern durchführen.“ Bei Bedarf können die Veranstaltungen von einer Dolmetscherin oder einem Dolmetscher begleitet werden.

Wer gemeinsam mit dem Verein einen Workshop oder mehrere Veranstaltungen vor Ort realisieren möchte, kann sich jederzeit an das Projektteam wenden. „Wir freuen uns auf die Anfragen und die Zusammenarbeit“, so Petschke. Auch mögliche Einschränkungen aufgrund des Coronavirus hat der Verein bedacht: Alle Veranstaltungen können auf Wunsch online realisiert werden.

Die Deutsche Gesellschaft e. V., die ihr Jubiläum Anfang des Jahres bei einer Festveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier feierte, ist seit 1990 in der politischen Bildungsarbeit tätig. Mit seinen Projekten setzt sich der Verein für ein respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben in einem friedlichen Gemeinwesen ein. „Wir engagieren uns schon seit einigen Jahren für die Integration von Geflüchteten“, erläutert Petschke. „Bei unserem aktuellen Integrationsprojekt ‚Mein, dein, unser Deutschland‘ profitieren wir von den Erkenntnissen und Erfahrungen, die wir bei der Durchführung vorheriger Integrationsprojekte gesammelt haben.“ Dazu gehören u. a. „Meine neue Heimat. Kleine Bürgerkunde“ in Brandenburg, „Interkulturelles Lern- und Kompetenzzentrum Sport“ in Sachsen-Anhalt, „Deutschland Navi – Deutschland Diary“ in Nordrhein-Westfalen sowie die bundesweiten Integrationsforen „Initiativen ergreifen, Erfahrungen sammeln, Perspektiven entwickeln“.

Mehr Informationen zum Integrationsprojekt „Mein, dein, unser Deutschland“ gibt es auf der Website www.mein-dein-unser-deutschland.de.

Gefördert wird das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

 

Pressemitteilung 25.06.2020

 

„Wir alle sind mehr als nur jüdisch.“

Heidelberger Online-Forum zum Antisemitismus in Deutschland

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft informierten in dem Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ über die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Heidelberg und Baden-Württemberg. Eingeladen hatte die Deutsche Gesellschaft e. V. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, fand die Veranstaltung ausschließlich als Online-Forum im Livestream statt. Die Aufzeichnung der drei Veranstaltungstage ist weiterhin auf dem YouTube-Kanal des gemeinnützigen Vereins abrufbar.

Vielfalt jüdischen Lebens tritt nicht nur in Gestalt jüdischer Verbände zutage, sondern beginnt bereits individuell: „Wir alle sind mehr als nur jüdisch. [...] Wir sind alle mehr als nur die Markierung, die im öffentlichen Diskurs stattfindet,“ betonte Prof. Dr. Frederek Musall, stellv. Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Seine Gesprächspartnerin Adriana Altaras unterstrich in ihrem Beitrag, wie wichtig es sei, ein Bewusstsein für die Vielfalt jüdischen Lebens zu entwickeln. Es sei absolut sinnvoll, so die Schauspielerin, „über den Tellerrand zu schauen“.

Einen Beitrag zur Vernetzung bietet etwa MAKKABI Deutschland e. V. Dessen Präsident Alon Meyer erläuterte, dass die Funktion des jüdischen Turn- und Sportverbands darin bestehe, die Vielfalt in Deutschland zu erweitern: „Und dazu haben wir eben gelernt, dass Sport nicht nur ein gutes Tool ist, um jeden Einzelnen sportlich richtig zu fördern, sondern auch sozial, kulturell zu fördern.“ Ähnliche Erfahrungen schilderte Aron Schuster, Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.: „Man muss Menschen aus verschiedensten Bereichen zusammenbringen, dass sie gemeinsam an Dingen arbeiten, das ist noch viel effektiver als eine einmalige Begegnung.“ Der Blick auf den Alltag jüdischer Gemeinden macht jedoch deutlich, dass Vielfalt auch Herausforderung bedeutet. Hierauf verwies Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden. Die Integration der Juden aus der ehemaligen Sowjetunion stelle eine „große Herausforderung in Baden” und in anderen Regionen dar. Dies betreffe vor allem die sprachliche und religiöse Integration.

Die abschließende Gesprächsrunde richtete den Fokus auf regionale Initiativen gegen Antisemitismus. Susanne Benizri-Wedde, Leiterin des Erziehungsreferats der IRG Baden, gab zu bedenken, dass im Moment die Gefahr bestehe, dass „alles Jüdische mit Antisemitismus verbunden“ werde. Hierdurch werde alles Jüdische negativ aufgefasst. Aus diesem Grund erzähle sie, so Ricarda Theiss, Referentin bei der Beratungsstelle gegen antisemitische Gewalt und Diskriminierung OFEK Hessen, immer erst einmal über Judentum, bevor sie mit Themen zu Antisemitismus beginne: „Ich gehe oft mit den Schulklassen in einen offenen Dialog, in der keine Frage falsch ist oder falsch platziert ist.“ Für einen offenen, aber entschiedenen Umgang mit Antisemitismus sprach sich auch Klaus Ziwey, Landeskriminaldirektor des Landes Baden-Württemberg, aus: „Wir nehmen Antisemitismus wahr, wir nehmen aber Antisemitismus nicht hin.“ Sowohl der Landeskriminaldirektor, als auch Joel Crepu, Präsident des Bundes Jüdischer Studierender Baden e. V. (BJSB), verwiesen auf die gesamtgesellschaftliche Dimension von Antisemitismus. Gerade dieser Aspekt von Antisemitismus, dass es „nicht nur die Juden betrifft, sondern die ganze Gesellschaft“, wäre ihm ein sehr wichtiges Anliegen, so Crepu. Das nächste Regionalforum „Antisemitismus in Deutschland“ findet im Oktober in Erfurt statt. Sämtliche Informationen dazu finden Sie unter www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Pressemitteilung 11.06.2020

 

„Ich will doch eigentlich nur Pianist sein.“

Hamburger Online-Forum zum Antisemitismus in Deutschland

„Achtet auf eure Sprache. Das wäre das Erste. Sprache macht Klima, Sprache macht Politik,“ lautete der eindringliche Appell des Pianisten Igor Levit gleich zu Beginn des Regionalforums Hamburg „Antisemitismus in Deutschland“. Die Deutsche Gesellschaft e. V. hatte dazu eingeladen, vom 8. bis 10. Juni im Livestream den Gesprächsrunden über jüdisches Leben, jüdische Kultur und Initiativen gegen Antisemitismus zu folgen. Bedingt durch die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, fand die Veranstaltung ausschließlich als dreiteiliges Online-Forum statt. Die Video-Aufzeichnung des Regionalforums ist auch weiterhin auf dem YouTube-Kanal des gemeinnützigen Vereins abrufbar.

Igor Levit eröffnete gemeinsam mit der Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Prof. Dr. Miriam Rürup, das Forum. „Jede Gesellschaft“, so Prof. Dr. Rürup, „produziert ihre eigenen ausgegrenzten Gruppen.“ Dies verhindere die individuelle Entfaltung von Jüdinnen und Juden in der Gesellschaft. „Ich will doch eigentlich nur Pianist sein,“ brachte Levit diese Situation aus eigener Perspektive auf den Punkt

Mit Blick auf die institutionellen Strukturen jüdischen Lebens verwies Daniel Botmann auf die Bedeutung der jüdischen Gemeinden. Diese seien „das Rückgrat der jüdischen Gemeinschaft“, so der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auch wenn die dritte nach der Schoah geborene Generation „neue Ansätze in die Verbände“ bringe, ginge es der neuen Generation „nicht darum, Mauern einzureißen“, erklärte Benjamin Fischer, der Leiter der Stabsstelle Digitale Transformation der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. „Man bringt sich in die Verbände pragmatisch und konstruktiv ein.“ Auch Monty Ott, Vorstand von Keshet Deutschland e. V., betonte diesen Ansatz in seiner Vereinstätigkeit: „Wir wollen zeigen, wie wichtig queere Perspektiven sind. [...] Und da sehe ich Gemeinden als einen wichtigen Diskursraum“. Diesen Ansatz unterstrich Dr. Karen Körber, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden: „Auch wenn wir etwas verändern, lösen wir deswegen etwas nicht auf, sondern wir können nur existent bleiben, wenn wir Veränderungen zulassen.“

Initiativen auf Landes- und Regionalebene gegen Antisemitismus kamen beim Forum ebenso zur Sprache, aber auch aktuelle Herausforderungen, denen sich Politik und Gesellschaft stellen müssen, wie etwa antisemitische Verschwörungstheorien im Zuge der Corona-Pandemie. „Das Ziel ist klar, es geht um Spaltung der Gesellschaft und die Propagierung von Antisemitismus. Dieser zersetzenden Menschenfeindlichkeit setzen wir eine solidarische und offene Gesellschaft entgegen“, so Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg. Aber es sind nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch alltägliche Wissensdefizite, die eine Herausforderung darstellen: „Was den Kampf gegen Antisemitismus schwierig macht ist, dass viele die Inhalte des Judentums gar nicht kennen,“ sagte Nissar Gardi, Projektleiterin der Beratungsstelle „empower“. Dem schloss sich Philipp Stricharz, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Hamburg an: „Es wird meiner Meinung nach zu wenig Fokus daraufgelegt, wer eigentlich die Menschen sind, über die wir sprechen.“ Dies zu ändern, ist ein Ziel der Veranstaltungsreihe „Antisemitismus in Deutschland“. Die nächste Möglichkeit hierzu besteht vom 23. bis 25. Juni, ebenfalls im Livestream. Weiter Informationen erhalten Sie unter: www.antisemitismus-in-deutschland.de. Gefördert werden die Regionalforen der Deutschen Gesellschaft e. V. vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Pressemitteilung 14.01.2020

 

Bundespräsident ruft zum Kampf für Freiheit und Demokratie auf

Frank-Walter Steinmeier bei der Festveranstaltung „30 Jahre Deutsche Gesellschaft e. V.“

Wenn es den Verein nicht schon gäbe, dann müsste man ihn gerade jetzt erfinden. Mit diesen Worten dankte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Deutschen Gesellschaft e. V., die mit einer Festveranstaltung in der Berliner Nikolaikirche an ihre Gründung im Januar 1990 erinnerte. Seit 30 Jahren schafft sie Räume, in denen Bürgerinnen und Bürger über politische und gesellschaftliche Fragen diskutieren können, so Steinmeier. Besonders dankbar sei er dem Verein, dass er die Erinnerung an die deutsche Diktatur- und Demokratiegeschichte wachhalte. „Denn wenn unsere Demokratie eine Zukunft haben soll, dann müssen wir auch gegen das Vergessen, das Verbiegen und Verleugnen unserer Geschichte kämpfen.“ Gerade „Erinnerung schafft ein Bewusstsein dafür, dass sich der Kampf für Freiheit und Demokratie nie erledigt hat, dass wir ihn immer wieder aufs Neue führen müssen“, sagte Steinmeier in seiner Rede in der voll besetzten Nikolaikirche.

Mehr als 250 Menschen waren in die geschichtsträchtige Kirche gekommen, in der die Deutsche Gesellschaft e. V. am 13. Januar 1990 von Bürgerrechtlern, Politikern, Schriftstellern und Künstlern und Wissenschaftlern gegründet worden war. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR, erinnerte sich in ihrer Rede an die bewegten Zeiten acht Wochen nach dem Mauerfall und acht Wochen vor den ersten freien Wahlen. Seither seien viele Projekte geglückt und Hürden überwunden worden, etwa beim Engagement für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Weiterkämpfen müsse und werde die Deutsche Gesellschaft e. V. für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, für dessen Errichtung sie seit 2005 eintritt. „Leider ist es für uns Zeitzeugen kein Ruhmesblatt, dass fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch kein Denkmal von nationalem Rang an diesen wohl schönsten und glücklichsten Moment unserer Geschichte erinnert“, so Bergmann-Pohl.

Auch Franz Müntefering kam auf die Geschichte des Vereins zu sprechen. Es sei eine „deutsche und europäische Erfolgsgeschichte“, betonte der Co-Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft e. V. „Aufeinander zugehen, zuhören, Vorurteile abbauen, miteinander Handeln – das ist es, was die Deutsche Gesellschaft in alljährlich über 700 Veranstaltungen, Begegnungen und Projekten in Deutschland und Europa macht. Wir gehören damit nicht nur zu den aktivsten überparteilichen Nichtregierungsorganisationen, sondern auch zu denen, die ihren Gründungsgedanken leben – die Förderung politischer, sozialer und kultureller Beziehungen in Europa“, so Müntefering.

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